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#mmc13 MOOC Business Model – Hochschul Verbund – MOOCs 2#4

Einleitung

Alle folgenden Überlegungen stellen nur kurze Impulse dar und sollen gerne hinterfragt, ergänzt und weiterentwickelt werden. Im ersten Modell gehe ich davon aus, dass wir in Zukunft mehr im Beruf stehende Menschen qualifizieren müssen. Sollen am Ende der Qualifizierung Hochschulabschlüsse stehen, müssen die Teilnehmer ihre Kompetenzentwicklung anhand von erworbenen ECTS-Punkten nachweisen. Damit wird in den Bachelor-/Masterstudiengängen der Leistungsnachweis (in Einheiten des Arbeitsaufwandes des Lerners) von einer Hochschule bestätigt. Dies ist sicher ein ganz klassischer Ansatz, der sich deshalb auch als erstes anbietet in dem erwähnten Modell abgebildet zu werden.

Also gehen wir von folgender Situation aus: Ein Verbund von Hochschulen hat in seiner Strategie beschlossen, in Zukunft mehr berufsbegleitende Programme anzubieten und dafür das Thema MOOCs besonders zu fördern. Ziel ist es die Außendarstellung des Hochschulverbunds als modernen innovativen Verbund zu verbessern und insbesondere mehr Studierende, die bereits im Beruf stehen, für sich zu gewinnen. Was könnte er machen, um diesen Ansatz zumindest kostendeckend zu entwickeln?

HS-Verbund MOOCs bmg

Kundensegmente – Für wen schöpfen wir Wert?   

Die Hochschulen identifizieren zunächst einen Studienbereich, in dem viele der Interessenten mutmaßlich Internet-affin sind, also z.B. den Bereich Wirtschaftsinformatik oder die sogenannten MINT-Berufe. Die Zielgruppe wären Studieninteressenten für diesen segmentierten Bereich, die im Beruf stehen und diesen nicht für ein Vollzeitstudium aufgeben möchten. Also ein berufsbegleitendes Angebot, das nicht unbedingt ein Massenmarkt bedient, aber in Zukunft immer wichtiger wird.

Wertangebote – Welchen Wert vermitteln wir der Zielgruppe?

Ein ganzes Curriculum, bestimmte Module, oder Teile daraus, sind als xMOOCs aufbereitet und ermöglichen es den Studierenden an diesen Modulen kostenlos teilzunehmen. Teilnehmer, die an einem geprüften Leistungsnachweis teilnehmen möchten, melden sich formal an. Nach erfolgreichem Abschluss eines Leistungsnachweises bekommen sie ein Zertifikat, das den Erwerb von ECTS-Punkten bestätigt. Der Mehrwert läge zunächst einmal darin, dass das Studium berufsbegleitend, mit sehr breitem Angebot (Auswahl aus dem Verbundangebot) und selbstbestimmt durchgeführt werden könnte.

Was ist der Unterschied zu einem klassischen Fernstudium? Die mögliche (!) Offenheit des xMOOC-Formates bietet die Chance zum kollaborativen Lernen mit gewünschter Meinungsvielfalt, wobei der individuelle Lerner seine Lernzeit und Lerntempo mitbestimmen kann. Auch die Beteiligung von ausländischen Partnern und damit internationalen Komponenten führen hier zu einem Mehrwert, den wir im klassischen Fernstudium i.d.R. nicht finden. Also das Angebot erleichtert dem Studierenden sein Studium und die Organisation seiner Lebensumstände.

Marketingaspekt: Außerdem klingt ein MOOC-organisiertes Studium doch viel moderner ;-).

Kanäle – Über welche Kanäle können unsere Zielgruppe erreicht werden?

Klar, über das Web… Wenn wir wie oben beschrieben von einer eingegrenzten Zielgruppe sprechen, dann sollten wir in der Lage sein die Kanäle genauer zu spezifizieren. Welche Kanäle im Web werden von diesen Studieninteressenten genutzt? Ein zentraler Kanal könnte zum Beispiel Facebook sein. Im Vergleich zur typischen MOOCer Community sind Studierende generell nicht so stark in Twitter vertreten. Eines der ersten Beispiele, dass noch vor dem MOOC-Hype an den Start ging, war die London School of Business and Finance mit ihrem MBA-Programm. Andere Kanäle könnten über Berufsverbände oder Kammern bedient werden. Zur Bewerbung des Angebotes müsste in diesem Fall sicher noch die Gamer-Szene noch genauer untersucht werden J). Die eigentliche Distribution der Inhalte erfolgt über freie/offene Instrumente des Webs, die Betreuung und Lernpfadberatung via Social Media.

Kundenbeziehungen – Welche Art von Beziehungen erwartet unsere Zielgruppe?

Hier fängt es an interessant zu werden: Wie viel persönliche Unterstützung benötigt ein solches Angebot? Welche Selbstlernkompetenzen, welche Medienkompetenzen können wirklich vorausgesetzt werden? Welche neue Rolle müssen die Gastgeber/Dozenten einnehmen können? Wichtig ist sicher die intensive Pflege von Communities, d.h. die Förderung des Austausches der Teilnehmer untereinander. Auch die Mitbeteiligung an der Gestaltung der Inhalte bzw. Setzung von Schwerpunkten würde zur Förderung der Kundenbeziehung führen. Ich denke, insbesondere an diesen beiden Punkten hapert es in vielen xMOOC-Angeboten, wie von Rolf Schulmeister zu Recht beklagt. Andererseits stellt dies sicher auch eine der größten Herausforderungen dar. Auch hier ist der Verbundansatz eine wichtige Voraussetzung zur Sicherung der Qualität.

Einnahmequellen – Für welche Werte sind unsere Kunden bereit zu bezahlen?

Klassisch könnten in den verteilten Standorten, also auch bei den Partner-Hochschulen „Prüfungs-Center“ gerne auch virtuell, eingerichtet werden, die dann gegen eine angemessene Prüfungsgebühr ordnungsgemäße ECTS-Prüfungen abnehmen würden. Eine Einschreibe-, Mitglieds- oder Nutzungsgebühr entfällt! Ich denke die vielfältigen amerikanischen Überlegungen zu weiteren Einnahmen funktionieren am deutschen Markt nur sehr begrenzt. Wobei selbst in den USA sind die Hauptakteure sehr unsicher: „Even Ms. Koller is unsure about the future of MOOCs — and her company.“

Ein weiterer wichtiger Unterschied zum klassischen Fernstudium. Nutzer, die keinen Abschluss erreichen wollen, profitieren kostenlos von diesem Angebot. Der Betreiber profitiert ggf. auch von den Beiträgen dieser Teilnehmer, in jedem Fall sind es auch Multiplikatoren.

Durch Einbindung weiterer Wirtschaftspartner (z.B. nach dem Vorbild von Udacity, edX, Coursera in Verbindung mit z.B. VMWare ) bekämen die Studierenden kostenfreien Zugriff auf bestimmte Software-Lizenzen. Zusätzlich könnten mit diesen Partner Werbeeinnahmen generiert werden.

Sekundäreffekt: Zurzeit ist die Aufmerksamkeit für MOOCs auch in Deutschland relativ groß. Die anbietenden Hochschulen haben die Möglichkeit das Format „crossmedial“ zu bewerben und könnten dadurch die Nachfrage insgesamt steigern.

Schlüsselressourcen – welche sind erforderlich?

Welche Schlüsselressourcen erfordern unsere Wertangebote, unsere Distributionskanäle, unsere Kundenbeziehungen und unsere Einnahmequellen? Die personellen Ressourcen stehen bei einem solchen Vorhaben sicher im Vordergrund. Die Entwicklung und Akkreditierung erfordert einen zunächst einmaligen Aufwand, um ein solches neues Format als Studienprogramm anbieten zu dürfen. Natürlich müssen die Qualitätssicherung und die wiederkehrenden Re-Akkreditierungen ebenfalls im Aufwand berücksichtigt werden. Bei der Entwicklung spielen insbesondere rechtliche Aspekte (Urheberrecht) eine nicht zu unterschätzende Rolle, da es ja anschließend um eine offene Verteilung und Verwendung gehen soll, also im besten Fall um CC-lizensierte Materialien. Im Betrieb sind sicher die Gastgeber/Dozenten ganz besonders bei der Lernerbetreuung (vgl. oben Kundenbeziehung) gefordert.

Schlüsselaktivitäten – Produktion, Betreuung und Prüfungswesen

Wie im vorherigen Punkt beschrieben gehört zur Produktion nicht nur das Erstellen der Lernmaterialien (z.B. Videos) sondern auch die Erfüllung von einer Reihe von formalen Anforderungen (z.B. Akkreditierung). Ebenfalls oben erwähnt, die Betreuung der Teilnehmer ist während des Betriebs die wichtigste, qualitätssichernde Herausforderung. Hier trennen sich didaktisch wohl durchdachte Konzepte von schlechten Angeboten, die Rolf Schulmeister erwähnte. Notwendig sind auch auf Seite der Lehrenden neue Kompetenzen, wie z.B. Lernpfadberatung. Schließlich muss über das Prüfungswesen nachgedacht werden. Also weg von klassischen Prüfungen oder auch E-Assessments, hin zu mehr kompetenzorientierten Prüfungsformen (Portfolios in Form von Teilnehmerbeiträgen usw.), die wiederum einen erheblichen Aufwand (Schlüsselaktivität) erforderlich machen. Qualität hat seinen Preis.

Schlüsselpartnerschaften – entscheidender Faktor für ROI

Jetzt kommen wir zu einem ganz zentralen Punkt in diesem Modell: den Schlüsselpartnerschaften, also hier dem Verbund von einer geeigneten (!) Anzahl von Hochschulen im In- und Ausland. Darüber hinaus könnten auch andere geeignete Weiterbildungspartner im Sinne der Öffnung der Hochschulen gegenüber der beruflichen Bildung einbezogen werden (Thema Anrechnung beruflicher Kompetenzen) oder als Unterstützer wie oben bei den Einnahmequellen erwähnt.

Das hier angedachte Modell funktioniert aus meiner Sicht nur im Verbund, in dem insbesondere zwei Schlüsselaktivitäten gemeinsam betrieben werden, nämlich die Entwicklung und die Betreuung. Für eine einzelne Hochschule wären der Aufwand und das Risiko auf dieser Ebene (akkreditiertes Programm) sicher zur Erzielung eines ROI´s zu hoch. Gerade der Reiz sich Hochschul- und Länder-übergreifend zu vernetzen, macht einen wesentlichen Mehrwert dieses Angebotes möglich, um sich von bestehenden Angeboten abzugrenzen.

Kostenstruktur – welche sind hier besonders zu berücksichtigen?

In diesem Modell kommt neben den laufenden Personalkosten bei der Entwicklung, Betreuung und im Prüfungswesen noch der Aufwand der Akkreditierung und Qualitätssicherung (laufende Evaluationen) hinzu. Die Betriebskosten bestimmter Plattformen sind im Vergleich dazu nahezu zu vernachlässigen. Nicht zu unterschätzen sind die Kosten für Tools, Lizenzen und Ausstattung bei der Produktion qualitativ hochwertiger Inhalte. Freilich, diese Aufzählung ist noch weit von einer Vollkostenbetrachtung entfernt, allein wenn ich an die Erstellung von Abschlussdokumenten (Urkunden) denke, die dann doch nicht nur elektronisch produziert werden können ;-).

Fortsetzung folgt morgen:  Blended MOOCs im LLL  3#4

#mmc13 MOOC Business Model – Einführung 1#4

Motivation

Darf ein MOOC, also ein „Massive OPEN Online Course“, bei dem ja die Materialien und der Zugang frei zugänglich bzw. für jeden möglich seien sollen, etwas kosten? Dürfen MOOC´s kostendeckend oder gar gewinnbringend angeboten werden, oder ist dies gesellschaftlich, moralisch, etc. eher verwerflich?

Ein wenig hatte ich den Eindruck, wurde in der letzten Woche (3. Woche im #mmc13: Thema „Open“) diese Fragestellung gleich mitbehandelt, wobei mir die teils sehr einseitigen Positionen zu sehr in Richtung Schwarz-/Weiß-Malerei gegangen sind. Jasmin Hamadeh hat dies in ihrem Beitrag ebenfalls zum Ausdruck gebracht. Eines sollte allen Beteiligten klar sein, das Anbieten/Betreiben eines MOOC´s erzeugt Kosten (i.d.R. Personalkosten und Kosten für das Betreiben der Infrastruktur) und diese müssen zumindest gedeckt werden, ob vom Staat oder einer privaten Gesellschaftsform ist zunächst dabei unerheblich.

Also wenn wir Vielfalt denken wollen, dann wird es vielleicht in Zukunft MOOC-Formate geben (z.B. blended MOOCs), die Anteile haben, die kostenlos angeboten werden und die gleichzeitig Leistungen beinhalten, die bezahlt werden müssen. Es wird Angebote geben, bei denen der Mehrwert vielleicht nicht unmittelbar für jeden sichtbar wird und auch nicht für wen dieses Angebot einen Mehrwert darstellt.

cash cow Cash  Cow by Oldmaison (CC BY-SA)

Ziel dieses Impulses (vier Teile)

Ich konzentriere mich bei den folgenden Ausführungen mehr auf das kreative Schaffen von ein paar Ideen für mögliche Geschäftsmodelle (bzw. erste Ansätze), mit denen ich in der #mmc13-Community die Diskussionen anregen möchte. Ich werde drei Ideen/Entwürfe (Hochschulverbund, bMOOC und fishing for talents) vorstellen, die sicher nicht alle neu sind, aber auf jeden Fall vor dem o.g. Hintergrund diskutiert werden sollten. Allerdings, die o.g. Grundsatzfragen vertiefe ich hier nicht weiter. Vielleicht greifen die anderen Impulsgeber der 4. Woche diese Fragen auf, eine vorherige Abstimmung hat nicht stattgefunden und macht es durchaus auch interessanter ;-).

Fragestellung im #mmc13

Die Gastgeber/Innen des #mmc13 haben für die 4. Themenwoche einige Einstiegsfragen formuliert, die aus meiner Sicht unterschiedliche Qualitäten haben: Welche Motive haben die Anbieter von MOOCs? Wer kommt hier wie auf seine Kosten? Was ist der Return on Investment, wenn die Teilnahme kostenfrei ist? Dies sind genau die Fragen, die sich Gastgeber/Anbieter/Betreiber stellen müssen, um ein kostendeckendes oder gewinnbringendes Business Model zu entwickeln. Genau diese Fragen werde ich mit meinen Vorschlägen/Ideen in ähnlicher Form aufgreifen.

Schaden oder nutzen MOOCs der Bildungswirtschaft? Dies hat für mich wiederum eher die Qualität einer Grundsatzfrage.  Diejenigen, die ein passendes Business Model entwickeln werden den Nutzen in den Vordergrund stellen. Diejenigen, die ihr Geschäftsmodell gefährdet sehen, werden den Schaden beklagen ;-). So erleben wir es täglich in ganz vielen Bereichen, in denen Geschäftsmodellinnovationen etablierte Modelle ergänzen oder gar verdrängen. Mein Impuls wendet sich also den ersten Fragen zu möglichen Innovationen zu. Über Schaden oder Nutzen werde ich hier nicht philosophieren.

Vorgehen – Business Model Canvas

In den drei weiteren Beiträgen motiviere ich meine Idee kurz einleitend. Zur Beschreibung der jeweiligen Idee in Form eines Geschäftsmodells wende ich ein sehr schlankes und pragmatisches Modell an, das von A. Osterwalder und Y. Pigneur entwickelt wurde. Ich halte es für sehr geeignet, um eine gemeinsame Sprache zur Beschreibung, Visualisierung, Bewertung und Veränderung von Geschäftsmodellen zu definieren.

Die Autoren entwickelten dazu eine sogenannte „Business Model Canvas“. Dieses Tool ist eine Art vorbereitete „Leinwand“ mit neun Bausteinfeldern, auf der der Planer/Veränderer so zu sagen zusammenhängende Bilder von neuen oder bestehenden Geschäftsmodellen kreieren kann. Die Canvas hat den großen Vorteil, dass die Wechselwirkungen der neun Komponenten direkt auf einen Blick sichtbar sind und der Planer damit den Überblick behält. Zum kreativen „Ausfüllen“ werden die zentralen Fragen (vgl. Osterwalder & Pigneur) der Wechselwirkungen/Beziehungen den einzelnen Bausteinen zugeordnet. Das Modell und die zugehörigen Fragestellungen habe ich hier ausführlicher beschrieben. Wer tiefer einsteigen möchte, dem sei das o.g. Buch von A. Osterwalder und Y. Pigneur empfohlen.

Ich möchte mit diesen Impulsen vor allem die Teilnehmer anregen, diese Ideen zu diskutieren und „weiterzuspinnen“. Das Modell kann uns in der Diskussion helfen festzulegen, über welchen Einfluss/Baustein im Geschäftsmodell wir gerade diskutieren – es bietet die Möglichkeit eine einheitliche Sprache zu verwenden: worüber reden wir gerade? Und überhaupt: Wofür wären Sie bereit in einem MOOC zu bezahlen? …

Ich freue mich auf eine anregende Diskussion :-).

Be COOL – then a MOOC is a real MOOC

MOOCmania – das Jahr der MOOCs

Als MOOCs noch in den Anfängen und weniger populär waren, gab es noch keine Diversifizierung dieser neuen Art von Kursen. Die Vorstellung darüber, was ein MOOC eigentlich ist wurde in dem schönen Einführungsvideo von D. Cormier verständlich erklärt:

Die Verwendung des Begriffs änderte sich allerdings spätestens seit der Durchführung des Stanford-Kurses für künstliche Intelligenz von S. Thrun und P. Norvig. Dieser war mit ca. 160.000 Teilnehmern wirklich richtig „massive“. Offen im Sinne von jedermann kann teilnehmen und online war er natürlich auch, allerdings im Gegensatz zur ursprünglichen Form fest curricular gesteuert und mit automatisierten Selbsttests organisiert. Also etwas anderes, das mit dem konnektivistischen Ansatz nach S. Downes und G. Siemens nicht mehr viel zu tun hatte.

Das Entscheidende war, dass dieser Kurs den Begriff „MOOC“ äußerst populär machte. Andere amerikanische Hochschulen zogen nach. Für den Stanford Präsidenten J. Hennessy, war klar „What I told my colleagues is there’s a tsunami coming…” und auf dieser Tsunami-Welle sollten ab jetzt mindestens die Elite-Universitäten surfen. Selbst vor der Titelseite des Time Magazins (Ausgabe 10/18/2012, Artikel von A. Ripley) machte die MOOCmania nicht halt:

College Is Dead. Long Live College!

Und schließlich meint „The New York Times“ (Ausgabe 11/2/2012, Artikel von L. Pappano) dieses Jahr geht als “The year of the MOOCs” in die Bildungsgeschichte ein.

Welche Erwartungen hat der Lernende? xMOOCs vs cMOOCs

M. König stellt in Ihrem Blogbeitrag die simple Frage: „Wann ist ein MOOC ein MOOC?“ und beschreibt, wie Sie in einem sehr klassisch organisierten Stanford MOOC (Designing a New Learning Environment) ein wenig Lust am intrinsisch motivierten Lernen verliert. Vielleicht liegt es an ihrer Erwartungshaltung als echte Selbstlernerin ;-). Vielleicht will der Kurs auch die sicher stark diversifizierte Zielgruppe breiter ansprechen. Nicht jeder Teilnehmer wird dort ein Edupunk sein, also ein echter DIY-Lerner. Inzwischen könne die verschiedenen MOOC-Formate differenziert betrachtet werden, zum Beispiel hier:

Grundsätzlich werden damit auch unterschiedliche Anforderungen an die jeweiligen Teilnehmer gestellt, was wiederum mit unterschiedlichen Erwartungen einhergehen kann. Die Art von MOOCs, die S. Downes, G. Siemens, D. Cormier ursprünglich quasi zur Erprobung des Modells des Konnektivismus ins Leben gerufen haben, passt heute vielfach nicht mehr zur Erwartung der intrinsisch motivierten Selbstlernern oder gar zum ursprünglichen Begriff des MOOC.

So be COOL

J. Wedekind, einer der Veranstalter/Moderatoren des diesjährigen opco12, hat sich ebenfalls zu dieser Frage Gedanken gemacht und schlägt als passenderen Begriff für diese mehr konnektivistischen Onlinekurse das folgende Akronym vor:

COOL für Cooperative Open Online Learning.

Er sieht das entscheidende Merkmal dieser Kursform nicht in der Größe, sondern darin, dass die zeitlich beschränkte Zusammenarbeit der Teilnehmer mit dem Ziel, von- und miteinander zu lernen im Vordergrund steht, ganz im Sinne des konnektivistischen Modells von G. Siemens.

Schade eigentlich, dass S. Downes, den es sicher zu Recht gehörig stört, dass MOOCs mittlerweile eher mit dem Stanford AI-Format assoziiert werden, sich nicht auf diese Idee einließ.

Zur Vertiefung der ursprünglichen Idee empfehle ich den Artikel: „What is the theory that underpins our moocs?“ von G. Siemens.

#opco12 Offene Online Kurse – Perspektive für Bildungsveranstaltungen für Hochschulen und Weiterbildung?

14 Wochen lang haben die Teilnehmer des OpenCourses 2012 #opco12 den Horizon Report unter die Lupe genommen. Abschließend treffen sie sich am 20. Juli zur einer (Präsenz) Konferenz in Frankfurt. Neben der  Auswertung des Offenen Online-Kurses #opco12 soll es um zwei Fragestellungen gehen:

  1. Stellen Open Online Kurse als Format ein Potential für Hochschulen und z.B. universitäre Weiterbildungsangebote dar?
  2. Unter welchen Umständen eignen sie sich, für welche Themen, für welche Anbieter und was ist bei ihrer Gestaltung zu beachten?

Etwas Live-Input, als Impulse für Diskussionen

Johannes Moskaliuk von der Universität Tübingen, Veranstalter des #ocwl11, wird unter dem Titel: “Bildung zwischen Hochschule und Web” sicher auch über seine Erfahrungen mit dem ersten „Blended Open Course Workplace Learning 2011“ berichten.  Ich wurde ebenfalls eingeladen zu den o.g. Fragestellungen etwas Input für Diskussionen zu geben und entschied mich für folgenden Arbeitstitel: “Offene Kurse in klassischen Lehr-/Lernformaten – E-Bologna weitergedacht. Eine Chance Hochschule, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen zusammen zu bringen?”

An die Ziele von E-Bologna anknüpfend

Im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess tauchte vor etlichen Jahren auch der Begriff von E-Bologna bei verschiedenen Tagungen auf. Die Ziele sind z.B. bei e-teaching.org zu finden. Wie wäre es, diese Ziele wieder aufzugreifen und mit den neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten offener Online-Kurse zu kombinieren? Nutzen wir z.B. als Plattform einen „Blended MOOC“  und damit eine Möglichkeit verschiedene Dialoggruppen zusammen zu bringen. Wäre es möglich, auf diese Weise die Qualität von klassischen Lehr-/Lernszenarien zu steigern? In meinem Beitrag schlage ich ein 3-Phasenmodell vor, das vielleicht eine moderate Weiterentwicklung im Sinne von E-Bologna darstellen könnte.

Trainingsphase für den moderaten Übergang

Bei der Vorgehensweise scheint mir insbesondere die Phase 2 als Übergangsphase bzw. besser als Trainingsphase von besonderer Bedeutung zu sein. Dies wird explizit auch in der Bachelor-Thesis mit dem Titel: „Open Course als Lernszenarium für eine Hochschule – lassen sich die Potentiale von lose gekoppelten Netzwerken für formale Lernsettings nutzen? Eine Untersuchung der Wissenskommunikation und Wissensteilung im Bloggernetzwerk des Open Course ocwl11 der Universität Tübingen (unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Kurs-Paten).“ als wesentliches Ergebnis formuliert. Dort heißt es unter anderem: „Die Ergebnisse der Untersuchung bieten erste Ansatzmöglichkeiten für eine Optimierung der Praxis im Hinblick auf die notwendige Förderung der Studenten im Sinne einer Entwicklung von Netzsensibilität, Partizipations- und Medienkompetenz. Hochschulen sollten daher vor der Initiierung eines OOC in Form einer Trainingsphase die erforderlichen Medienkompetenzen der Studenten ausbauen, damit sie von dem Lernen im Netzwerk profitieren können und nicht zusätzliche kognitive Ressourcen zur Orientierung und Einübung in die Technologien aufbringen müssen.“

Diese Trainingsphase ist sicher nicht nur für Studierende und Teilnehmer wichtig, sondern ebenso für Lehrende/Lernbegleiter/Veranstalter/etc.

Ach, übrigens: Mit der Abschlusstagung, die ja eine Präsenzveranstaltung ist, kann der #opco12 ebenfalls in die Kategorie „Blended MOOC“ eingeordnet werden ;-). Also, auf ein persönliches Kennenlernen in Frankfurt :-).

Die Edupunks kommen – Achtung auch hier besteht Verwechslungsgefahr!

Jim Groom

„Die Edupunks kommen!“ titelt der Hauptartikel im Buch „Chancen“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ No. 25 vom 14. Juni 2012, S. 69. Alexandra Werdes interviewt Ayad al-Ani, Organisationsforscher, von der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin.

Selbstbestimmtes Lernen ganz im Sinne des Konnektivismus

Nun eigentlich sind Sie schon da, wie im o.a. Artikel bemerkt wurde der Begriff erstmalig in einem Blog von Jim Groom in 2008 geprägt. Gemeint ist hier der „Do-it-Yourself“ Lerner, der vernetzt, selbst seine Lernpfade erkundet und sich auf diese Weise neue Inhalte erschließt, ganz im Sinne des Lernmodells des Konnektivismus. Der Lerner lernt nicht mehr auf Vorrat, sondern nach Bedarf seiner Anforderungen oder Anforderungen, die an ihn gestellt werden.

MOOC ist nicht gleich MOOC und Edupunk nicht gleich Edupunk

Das entscheidende Merkmal eines Edupunks ist also sein selbstbestimmtes Lernen ohne institutionellen Rahmen oder gar ein Curriculum. Dies erfordert ein erhebliches Maß an Selbstlernkompetenz mit entsprechenden Medienkompetenzen gepaart. Was den im o.g. Artikel zitierten Stanford-MOOC angeht, ist die Motivation der ca. 160.000 Teilnehmer weitgehend eine andere gewesen: kostenlos ein Stanford-Zertifikat zu erhalten, reichte bei vielen nach Aussagen des Veranstalters Sebastian Thrun aus, um zumindest den Versuch zu starten. Außerdem gab es hierbei sowohl einen institutionellen als auch einen curricularen Rahmen und gerade dieser Aspekt sorgte für die hohe Teilnehmeranzahl. Also alles andere, als das was ursprünglich einen Edupunk auszeichnete.

Lernen in der Zukunft – vielschichtig und spannend

Gesucht ist in Zukunft also die „Edupunk-Kompetenz“, die nach Meinung von Herrn Ayad al-Ani durch Scouts vermittelt wird, die gemeinsam mit den Lernenden Lernpfade festlegen. „Das Lernpfad-Management kann ähnlich wie die Studienberatung in der Uni stattfinden oder auch von unabhängigen Dienstleistern angeboten werden.“ Die Ausbildung zum „Lernpfad-Manager“ ist langwierig, sehr anstrengend und zurzeit nur durch ein intrinsisch motiviertes Selbststudium zur erreichen – nicht einmal Badges gibt es dafür ;-).

Rolle der Institutionen im stetigen Wandel

Diese Entwicklung setzt einen weiteren stetigen Wandel bei den Schulen, Hochschulen und Bildungsinstitutionen voraus. Herr Ayad al-Ani prognostiziert drei Rollen für Lehrende der Zukunft: 1. Medienattraktive Superstars, 2. Forscher und 3. Mentoren und Tutoren. Nach meiner Erfahrung bräuchten wir mehr mutige Lehrende wie z.B. Christian Spannagel oder Jörn Loviscach, die weniger als Superstars auftreten, als vielmehr Ihre eigenen Lehr-/Lernmethoden mit den neuen technischen Möglichkeiten didaktisch sinnvoll weiterentwickeln und dabei sowohl forschend als auch als Lernbegleiter/-berater tätig sind. Diesen Vorbildern sollten die Institutionen fördernde Rahmenbedingungen schaffen, damit die Zukunft der Einrichtungen gesichert ist.

Zur weiteren Vertiefung ist der „Edupunk´s guide to a D.I.Y. credential“  und das Weblog-Archiv  von Jochen Robes sehr zu empfehlen!

Show-Down | Blogparade zum #ocwl11

Mit diesem kurzen Beitrag möchte ich nicht nur den Wunsch des fleißigen Gastgebers, Johannes Moskaliuk von der Universität Tübingen unterstützen, sondern auch nochmals ausdrücklich sein hervorragendes Engagement bei der Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Open Course Workplace Learning 2011 (kurz: #ocwl11) würdigen.

Beim Show-Down des #ocwl11 geht es um die Beantwortung folgender Leitfragen:

Wie verändern offene Bildungsangebote formales Lernen an Hochschulen und anderen Bildungsinstitutionen?

Zunächst einmal sollte das neue Veranstaltungsformat verschiedene Zielgruppen einbinden und neugierig machen, denn allein die Mischung der Teilnehmer, eben nicht nur Dozent und Studierende, sondern auch Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Motivationen tauschen sich gemeinsam zu wohl vorbereiteten Themen aus. Für die Studierenden ist es sicher größtenteils weiterhin auch eine formale Lernsituation, während andere Teilnehmer sich informell-lernend beteiligen. Vielleicht ergibt sich aus der Wechselwirkung der unterschiedlichen Motivationen, intrinsisch/extrinsisch, ein positiver Effekt für das Lernen.

Sind offene Bildungsangebote die Lösung für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis?

Offene Bildungsangebote dieser Art sind sicher nicht die (!) Lösung für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, aber sie stellen einen weiteren guten, zeitgemäßen Ansatz dar (z.B. neben dualen oder berufsbegleitenden Ausbildungs-/Studiengängen), der alle Vorteile des Netzes nutzen kann (vgl. vorherigen Blogbeitrag). Durch den Austausch zwischen Studierenden und anderen Teilnehmern aus der Praxis besteht die Möglichkeit, dass von der Praxis Impulse in die Theorie und umgekehrt gegeben werden. Letztlich muß die Evaluation solcher Angebote zeigen, ob diese und andere Erwartungen erfüllt wurden.

Wie kann die Teilnahme an offenen Bildungsangeboten zertifiziert werden? Muss Sie das überhaupt?

Zielführend bleibt hier die Frage: braucht der Teilnehmer ein Zertifikat, z.B. für den Nachweis einer bestimmten Berufsbefähigung – dann sollte es eines geben. Die Akkreditierung/Zertifizierung ist eine Herausforderung, aber machbar, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Anrechnungsmöglichkeiten von außerhalb der Hochschulen erworbenen beruflichen Kompetenzen, sowie der Entwicklung zur „Offene Hochschule“ mit den neuen Zugangsmöglichkeiten. Allerdings würde ich mir hier mehr Engagement der Bildungseinrichtungen, insbesondere der Hochschulen wünschen – Förderung von e-Bologna ist dringend erforderlich. Der eigentliche Nachweis wäre beispielsweise über Blogbeiträge oder E-Portfolio angemessen, d.h. für beide Seiten mit vernünftigem Aufwand realisierbar.

Wer finanziert offene Bildungsangebote?

Jede Institution, die sich durch die Öffnung geschlossener Angebote hin zu offenen Bildungsangeboten und solchen hybriden wie im vorliegenden Fall einen echten Mehrwert verspricht. Dabei sehe ich weniger das Problem der Kosten im Bereich der Technik als vielmehr im vielfach unterschätzten Personaleinsatz/engagement. Wenn in naher Zukunft das Bezahlen im Internet, speziell Micropayment, noch einfacher wird, könnte sicher auch der einzelne Teilnehmer ein Interesse an der Mitfinanzierung haben, vorausgesetzt die Qualität stimmt.

Was fehlt Ihnen beim #ocwl11?

Die Zeit ;-). – die wiederum eine entsprechende Planung erfordert. Planung ist nur möglich, wenn rechtzeitig ein solches Angebot bekannt ist. Während sich der Kenner (early adopter) z.B. auf die von Downes und Siemens jährlich wiederkehrenden CCKnn MOOCs bereits einstellen konnte, schießen zurzeit eine Reihe weiterer offener Kurse aus den Tiefen des Netzes hervor, so dass Interessenten wenig Chancen zur Planung haben und somit oftmals die Zeit fehlt :-(.

Was würde Sie besser machen, wenn Sie der Gastgeber des #ocwl11 wären?

Wünschenswert wäre sicher eine frühere Ankündigung eines solchen Angebotes ;-).

Um wertvolle Hinweise zur detaillierten Umsetzung geben zu können, habe ich mich zu wenig beteiligen können. Die Themen, die ich begleitet habe waren sehr gut vorbereitet, die externen Referenten und Paten waren passend ausgewählt und immer motiviert. Die technische Umsetzung ist weitgehend gelungen.

Es gäbe noch Einiges mehr zu dem aus meiner Sicht gelungenen Auftakt dieses innovativen hybriden Lernszenarios zu sagen, allerdings wie schon oben erwähnt sollte die Auswertung erst auf Basis einer qualifizierten Evaluation stattfinden. Dabei interessiert mich insbesondere die Frage an die Studierenden, wie hoch sie selbst die Reibungsverluste durch das Einarbeiten in die Instrumente des neuen Formates einschätzen. Umgekehrt natürlich, wurden durch das neue Format die Motivation und damit auch der Lernerfolg gesteigert? Insgesamt bin ich auf die Auswertung sehr gespannt und freue mich über Fragen und Kommentare.